Trainer Pierre im Interview

2018 01 22 Pierre im Interview

Leistungsschwimmen und Schule - wie geht das zusammen?

Schwimmen ist ein sehr trainingsintensiver Sport und Schwimmer der A+-Leistungsgruppe trainieren zwölf bis 20 Stunden pro Woche. Dazu kommen regelmäßig Wettkämpfe, die teilweise über mehrere Tage gehen. Wie schaffen es die jungen Talente, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen?

 

Monika: Wie stellt sich die Vereinbarkeit von Leistungssport und Schule für dich aus Sicht des Trainers dar?

Pierre: Schülerinnen und Schüler unserer ersten Leistungsgruppe verbringen etwa 40 Stunden pro Woche mit Schulunterricht, Hausaufgaben und Lernen. Sie sind also eigentlich in Vollzeit mit Schule beschäftigt. Darüber hinaus finden sie noch die Zeit und auch die Motivation, bis zu 20 Stunden pro Woche zu trainieren. Das ist für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar.

Meine Schwimmer können sich Ihre Zeit in drei Säulen teilen: Schule, Schwimmen und Freizeit, d.h. Weg gehen, Freunde treffen oder ähnliches. Nur zwei davon kann man vollkommen ausüben, eine muss man vernachlässigen.

Schule, Studium oder Arbeit haben Priorität - das ist allen klar. In unserer Gesellschaft kann man mit Schwimmen leider kein Geld verdienen.
Von unseren Schwimmern der ersten Leistungsgruppe erwarten wir, dass ihre zweite Säule das Schwimmen ist. Anders geht es nicht.

Monika: Die Riemerlinger Haie haben ein Konzept zur Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport. Wie sieht das aus?

Pierre: Unser Trainingskonzept ermöglicht es, sportlich auf nationaler Ebene mitzuspielen und trotzdem eine Eins im Abitur zu schreiben. Die meisten, wenn nicht sogar alle guten Schwimmer, gehören in der Schule zu den Besten in Ihrer Klasse. Denn Leistungsschwimmer haben gelernt, sich selbstständig zu organisieren um Schule und Training zu kombinieren. Dieses Thema besprechen wir schon sehr früh mit unseren Nachwuchsschwimmern.

Monika: Was wünscht du dir von den Schulen bzw. wie könnte es aus deiner Sicht besser laufen?

Pierre: Die etwa 40 Leistungssportler unserer beiden ersten Leistungsgruppen besuchen fast alle die gleichen vier bis fünf Schulen der Umgebung, das sind Ottobrunn, Neubiberg, Vaterstetten und Oberhaching. Ich würde mich freuen, wenn wir hier Kontakte knüpfen könnten, damit Schulleitung und Lehrer verstehen, was ihre Schüler nach und manchmal sogar vor der Schule alles leisten! Durch bessere Kommunikation könnte man das Leben der Jugendlichen vereinfachen.

Beispielsweise ist es für die Schwimmer sehr schwierig bei Wettkämpfen, wenn am darauffolgenden Montag eine wichtige Schulaufgabe ansteht. Sie müssen sich auf Ihre Strecken konzentrieren und frühzeitig aufgewärmt zum Start erscheinen. Sobald mal vielleicht 30 Minuten Pause sind, müssen sie für die Schule lernen. Da würde ich mir wünschen, dass die Leistungssportler bei der Terminplanung für Referate und Schulaufgaben mit eingebunden werden würden.

Der Kontakt zu den Schulen wäre mir auch wichtig, damit sowohl Trainer als auch Eltern schneller Rückmeldung bekommen, wenn in der Schule etwas schief läuft.
Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Vor zwei Jahren hatte ein Schwimmer die Schule stark vernachlässigt, um so oft wie möglich im Training zu sein. Seine schwimmerischen Leistungen hatten sich in der Zeit stark verbessert. Nach drei Monaten aber mussten die Eltern eingreifen, weil die schulischen Leistungen stark nachließen. Leider sehr spät. Heute sind die Schulnoten wieder gut geworden, die Konsequenzen im Training sind immer noch zu spüren. Hätten wir, also Eltern und Trainer, früher von den schulischen Problemen erfahren, hätten bestimmte drastische Konsequenzen nicht sein müssen.

Monika: Funktioniert das Konzept zur Vereinbarkeit von Leistungssport und Schule auch zu Zeiten, in denen das Riemerlinger Bad geschlossen ist?

Pierre: Während der Badschließung zeigen mir die Schwimmer wie wichtig es Ihnen ist, Ihre Ziele zu erreichen. Wir trainieren in Ausweichbädern in Nachbargemeinden oder in München. Die Fahrtwege sind länger und die Trainingszeiten anders. Am Wochenende trainieren wir jetzt vier mal. Montags trainieren wir bis 21 Uhr in München. Da sind die Schwimmer nicht vor 22 Uhr zu Hause.
Sie alle wissen aber, dass sie ihre Saisonziele nicht erreichen können, wenn sie bis zur Wiedereröffnung nicht trainieren. Da gäbe es zu viel Trainingsrückstand. Die Badschließung ist eine schwierige Situation für uns, die hoffentlich so schnell wie möglich behoben sein wird. Wir wissen, dass die Gemeinde Hohenbrunn Ihr Bestes hierfür gibt. Das hat sie uns in den letzten Jahren schon oft bewiesen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 26. Januar 2018 11:21

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